Weniger Verurteilungen, höhere Kosten

Jonas Wahmkow I 08.02.2026

[…] Der scheinbare Widerspruch sei auf ein ineffizientes Justizsystem zurückzuführen, kritisiert Schlüsselburg „Wenn Verurteilungen deutlich zurückgehen, die Kosten des Vollzugs aber steigen, dann fehlt es nicht an Härte, sondern an Steuerung. Ein liberaler Rechtsstaat muss mit weniger Strafe mehr Wirkung erzielen.“

Schlüsselburg und Lehmann schlagen vor, Alternativen zur Haft konsequenter zu nutzen. Der größte Hebel dafür dürften die sogenannten Ersatzfreiheitsstrafen sein. Menschen, die zum Beispiel mehrmals ohne ÖPNV-Tickets erwischt wurden und ihre Strafe nicht zahlen können, sitzen dafür wochenlang ein.

Laut der Anfrage waren 2025 rund 22 Prozent der Erstaufnahmen in Berlin auf Ersatzfreiheitsstrafen zurückzuführen. Das ist nicht nur ethisch fragwürdig, sondern auch ein riesiges Verlustgeschäft für das Land. Ein durchschnittlicher Hafttag kostete 2024 laut der Anfrage 226,97 Euro.

Rein rechnerisch gab das Land Berlin damit 2025 mindestens 5 Millionen Euro aus, um Schwarz­fah­re­r:in­nen zu bestrafen. Es könnten sogar deutlich mehr sein. Die Senatsverwaltung listet auf, dass weitere 65.870 Tagessätze durch „Zahlung, Arbeit und Ersatzfreiheitsstrafe“ oder „Zahlung und Ersatzfreiheitsstrafe“ abgeleistet wurden. Wie viele Tage die Säumigen davon tatsächlich einsaßen, ist nicht aufgeschlüsselt. Doch geht man von einem Drittel der Tagessätze aus, wären das rund weitere 5 Millionen Euro pro Jahr.

Quelle: https://taz.de/Ersatzfreiheitsstrafen-belasten-Justiz/!6152350/

SPD-Fraktion geht gegen private Vermieter vor

Hildburg Bruns I 24.01.2026

► Mietenkataster einführen: Innerhalb von 12 Monaten nach Verabschiedung des Gesetzes sollen Vermieter jede Wohnung in ein digitales Senats-Register eintragen – mit Wohnlage, Etage, Quadratmeter, Zimmer, Vertragsparteien, WBS-Schein, vereinbarte Nettokaltmiete, letzte Mieterhöhung, Grundsteuer, umgelegte Verwaltungskosten. Die vor einem halben Jahr geschaffene Mietpreis-Prüfstelle checkt dann, ob die Miethöhen gesetzeskonform sind – bei einem Anfangsverdacht von Zu-Teuer-Wohnen werden die zuständigen Bezirke eingeschaltet, bei Wucher die Staatsanwaltschaft. Hier forderte SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach (46) eine Verdoppelung der Bußgelder von 50.000 auf 100.000 Euro, bei Wiederholungen auf 500.000 Euro.

„Wir schaffen die Voraussetzung für eine vollständige Transparenz über den Wohnraum in Berlin. Wir schützen die Mieter, denn sie müssen nicht selbst gegen zu hohe Mieten losziehen“, begründet Rechtsexperte Sebastian Schlüsselburg (43, SPD).

► WBS-Inhaber vorziehen: Auch private Großvermieter (ab 500 Wohnungen) müssen jährlich jede dritte freiwerdende Wohnung an Inhaber von Wohnberechtigungsschein (WBS) vergeben – aktuell haben ihn über 49.000, berechtigt wären viel mehr. Und jede Hundertste (1 Prozent) an Obdachlose – die Miethöhe soll der Senat per Rechtsverordnung bestimmen. Senator Gaebler: „Wir sehen eine Chance, diese Sozialquote rechtlich durch das Land Berlin auch ohne den Bund umzusetzen.“

► Instandhaltungspflicht: Großvermieter (ab 500 Wohnungen) sollen verpflichtet werden, einen festen Anteil ihrer Nettomieteinnahmen in Erhaltung, Modernisierung und Öko-Maßnahmen zu stecken. Anfangs 3 Prozent, nach fünf Jahren 5 Prozent. Zulässige Investitionen sind z.B. die Verbesserung der Barrierefreiheit, Fassadensanierung, Verbesserung Energieversorgung, Ausbau Photovoltaik. Ein jährlicher Beleg muss an die Wohnungsaufsicht des Bezirkes gehen. Die meisten Maßnahmen sollen nicht auf die Miete umgelegt werden können.

Quelle: https://www.bz-berlin.de/berlin/spd-private-vermieter

 

Regulierung statt Enteignung: Berliner SPD will Kurs bei Wohnungspolitik verschärfen

Abendschau, 24.01.2025 I 25.01.2026

[…]Immer wieder betont der SPD-Politiker, dass es aus seiner Sicht “nicht die eine Maßnahme” gibt, um dem Mieten-Problem in Berlin beizukommen. Auch deshalb will die Fraktion einen neuen Anlauf für einen Mietendeckel nehmen. Ab einem Stichtag soll für Vermieter mit mehr als zwei Wohneinheiten ein Mietenstopp gelten. Zulässig wäre nur noch ein Inflationsausgleich.

Rechtlich greift die SPD dabei auf Artikel 15 des Grundgesetzes zurück. Dieser Artikel sieht ausdrücklich Formen von Vergesellschaftung und Gemeinwirtschaft vor, wurde aber noch nie in Deutschland angewendet. SPD-Rechtspolitiker Sebastian Schlüsselburg ist zuversichtlich, dass es anders als beim ersten Mietendeckel, der vom Bundesverfassungsgericht kassiert wurde, dieses Mal funktioniert.

Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/berlin/rbb-spd-fraktion-auf-klausurtagung-so-will-die-spd-ihren-kurs-in-der-wohnungspolitik-verschaerfen-100.html

 

Fraktion auf Klausurtagung

Regulierung statt Enteignung: SPD will Kurs in Berliner Wohnungspolitik verschärfen

Jan Menzel I 25.01.2026

[…] Immer wieder betont der SPD-Politiker, dass es aus seiner Sicht “nicht die eine Maßnahme” gibt, um dem Mieten-Problem in Berlin beizukommen. Auch deshalb will die Fraktion einen neuen Anlauf für einen Mietendeckel nehmen. Ab einem Stichtag soll für Vermieter mit mehr als zwei Wohneinheiten ein Mietenstopp gelten. Zulässig wäre nur noch ein Inflationsausgleich.

Rechtlich greift die SPD dabei auf Artikel 15 des Grundgesetzes zurück. Dieser Artikel sieht ausdrücklich Formen von Vergesellschaftung und Gemeinwirtschaft vor, wurde aber noch nie in Deutschland angewendet. SPD-Rechtspolitiker Sebastian Schlüsselburg ist zuversichtlich, dass es anders als beim ersten Mietendeckel, der vom Bundesverfassungsgericht kassiert wurde, dieses Mal funktioniert.

Quelle: https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2026/01/berlin-spd-fraktion-klausurtagung-miete-regulierung.html

 

 

 

Alt, aber sexy

Die SPD setzt im Wahljahr 2026 ganz auf mehrheitstaugliche Themen. Neben der Wohnungspolitik betrifft das vor allem das Thema Altenhilfe.

Uwe Rada I 25.01.2026

[…] Zum Instrumentenkasten, den die SPD am Wochenende beschlossen hat, gehört auch ein neuer Vorstoß zur Deckelung der Mieten. Anders als beim 2021 von Karlsruhe kassierten Mietendeckel, soll die neue Initiative diesmal mit dem Vergesellschaftungsparagrafen 15 im Grundgesetz begründet werden. Bereits im Sommer hatte der von der Linken zur SPD gewechselte Abgeordnete Sebastian Schlüsselburg im Interview mit der taz von diesem Paragrafen als „schlafendem Riesen“ gesprochen, den man wecken müsse.

Um sich rechtlich abzusichern, hat die Fraktion beim Bielefelder Rechtswissenschaftler Simon Kempny ein Gutachten in Auftrag gegeben, das im Frühjahr vorliegen soll. Kempny, selbst in Rostock anwesend, ist der Auffassung, dass auch ein Bundesland wie Berlin den Paragraf 15 anwenden kann.

Fast schon kämpferisch spricht Kempny den Genossen Mut zu. „Es bedarf eines hohen Maßes an politischen Mut, sich auf diesen Weg zu begeben“, sagt er. „Wer etwas versucht, kann scheitern.“ Aber das Nichtversuchen sei auch keine Lösung.

Ein dritter Hebel zur Regulierung ist schließlich ein Mietenkataster, das Berlin nun auch ohne entsprechende Bundesregelung einführen soll. Damit könnten zum ersten Mal Daten über jede einzelne Wohnung, die Miethöhe und den Eigentümer gesammelt und im Falle des Verdachts von Mietwucher direkt an die Staatsanwaltschaft übergeben werden. Für Schlüsselburg könnte ein solches Kataster so etwas wie „ein Gamechanger“ sein, wie er auf der Klausur betont. […]

Quelle: https://taz.de/SPD-Fraktionsklausur-in-Rostock/!6148395/

Betrugsmasche beim Berliner Finanzamt: Forderung nach Aufklärung – und es gibt einen weiteren Millionenfall

Der dritte Teil der Tagesspiegel-Recherche zum Verdacht auf einen Millionen-Schaden: Seit 2022 ermitteln die Behörden gegen einen Finanzbeamten und Hintermänner. Deren mutmaßlicher Betrug war womöglich kein Einzelfall.

Alexander Fröhlich und Hans-Martin Tillack I 05.12.2025

Auf die Berliner Finanzbehörden kommen wegen der Ermittlungen gegen einen Finanzbeamten neue unangenehme Fragen zu. Aus der Landespolitik gibt es infolge der Tagesspiegel-Recherchen ernste Zweifel und Kritik am Agieren der Behörden. Hinzu kommt, dass der nun aufgedeckte mutmaßliche Millionen-Betrug womöglich kein Einzelfall war, sondern sogar System haben könnte.

Wie der Tagesspiegel berichtet hat, soll ein Beamter des Finanzamts für Körperschaften I in Charlottenburg-Wilmersdorf zusammen mit einem Netzwerk von Hintermännern dafür gesorgt haben, dass mehr als 15 Millionen Euro illegal an mehr als ein Dutzend Scheinfirmen abgeflossen sind. Gegen den Beamten Hakan Z. und eine Reihe Hintermänner wird seit Anfang 2022 wegen bandenmäßigen Steuerbetrugs ermittelt. Nach Tagesspiegel-Informationen wurde damals auch die Hausleitung der Senatsfinanzverwaltung darüber informiert. […]

Das alles ist nun auch ein Fall für die Politik. Sebastian Schlüsselburg von der SPD befragt als Haushalts- und Steuerexperte im Abgeordnetenhaus regelmäßig den Senat zu Vorgängen in den Finanzämtern. Er hat die ersten beiden Teile der Tagesspiegel-Recherchen zu der Bande gelesen und ist entsetzt. „Hier ist nicht einfach ein Fehler im Finanzamt passiert, sondern der Staat im Herzen ausgeraubt worden – ausgerechnet von einem seiner eigenen Leute“, sagt Schlüsselburg.
Der Abgeordnete fordert von den Behörden ein hartes Durchgreifen. „Die allermeisten Berlinerinnen und Berliner zahlen ihre Steuern ehrlich jeden Monat vom Lohnzettel weg. Sie haben ein Recht darauf, dass der Staat konsequent gegen Steuerbetrug vorgeht, gerade wenn eigene Bedienstete beteiligt sind.“ […]
Der Abgeordnete Schlüsselburg will sich nicht damit abfinden und nachhaken. Er erwarte vom Senat mehr Informationen zu den Fällen. „Das Steuergeheimnis und der Hinweis auf hohe kriminelle Energie dürfen nicht dazu dienen, strukturelle Schwachstellen zu verschweigen“, sagt der SPD-Politiker. „Die ehrlichen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler und das Parlament haben ein Recht zu wissen, welche konkreten Konsequenzen jetzt gezogen werden, damit solche Fälle früher erkannt und verhindert werden.“

Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/betrugsmasche-beim-berliner-finanzamt-senat-zog-konsequenzen–doch-es-gibt-einen-weiteren-millionenfall-15018545.html